Rampenfieber 207- Audienz bei der Queen

Okt 24th, 2012 | By | Category: Allgemein, In Serie

Ich spreche sie alle an.

“Hallo, mein Name ist K.D., ich bin ausgebildete Musicaldarstellerin und suche einen Job.”

Ich war bereits in einem kleinen Theater, habe den Chef einer Dinnerkrimishow auf der Straße angesprochen, bin zur Intendantin einer freien Bühne gegangen, die rein zufällig auch noch meine Nachbarin ist, habe einen Schauspieler vor dem Theater zugetextet, der ein freies Ensemble leitet und habe es sogar fast bis zum Intendanten des Staatstheaters geschafft. Eigentlich hatte ich vor, mich als Statistin zu melden und nachzuhaken, ob es sowas wie “Kleindarsteller”rollen gäbe. Der Mann an der Pforte (ich vermute es war sein erster Tag) verwies mich zum Personalbüro. Er beschrieb mir umständlich den Weg und ehe ich mich versah war ich mitten drin. Zwischen Kostümen, Requisiten und Schildern mit den Aufdrucken “Gaderobe” oder “Bitte Ruhe! Probe!”. Ehrfürchtig blickte ich mich im Theater um und war drauf und dran, einfach mal hinter die Tür mit der Aufschrift “Probebühne” zu linsen, wollte meine mögliche Karriere an diesem Haus jedoch nicht von vorneherein gefährden und stellte mich schließlich der Personalchefin vor: “Hallo, mein Name ist K.D., eigentlich wollte ich mich als Statistin eintragen, aber ich bin ausgebildete Musicaldarstellerin und auf dem Weg hierher habe ich mir überlegt, vielleicht haben Sie ja rein zufällig eine Darstellervakanz…”

Die Personalchefin war furchtbar nett und schickte mich sogleich zum Intendanten.

“Darf ich denn da einfach hin?”, fragte ich unsicher- der Intendant war sozusagen die Queen des Theaters und ich bin mir nicht sicher, ob das gemeine Fußvolk so mir nichts dir nichts zu good old Elisabeth hereinspazieren darf…

“Ja, gehen Sie einfach mal”, sie zwinkerte mir verschwörerisch zu, “Viel Glück!”

“Hallo, mein Name ist K.D., ich bin ausgebildete Musicaldarstellerin und suche einen Job. Eigentlich wollte ich mich hier als Statistin eintragen, aber nun würde ich doch lieber mit dem Intendanten sprechen.”

Die Sekretärin, die im Vorzimmer seiner Majestät saß, starrte mich an, als habe sie niemals etwas Abwegigeres gehört.

“Äh… der Intendant ist nicht im Haus. Und wenn, dann müssten Sie ohnehin erst mal mit seinem Assistenten sprechen. Dafür brauchen Sie einen Termin. Haben Sie Ihre Bewerbung schon eingereicht? Nein? Nun, Sie müssen sich zunächst einmal schriftlich bewerben, sonst geht das nicht.”

Bäng! Tür vor der Nase zugeschlagen (rein metaphorisch).

“Aber ehrlich gesagt habe ich keine Lust, in einem Aktenordner oder gar im Mülleimer zu landen.” Ich wusste, wie so was lief. Dieter hatte es uns mehr als einmal eingeimpft: “Bei Staatstheatern braucht ihr eure Blindbewerbung gar nicht erst einzureichen. Die landet im Abfall.”

Natürlich, auch wenn ich mit dem Intendanten persönlich gesprochen hätte, hätte das wenig Aussicht gehabt- es sei denn, er hätte sich ganz spontan rettungslos in mich verliebt- aber es wäre mit Sicherheit ein Fünkchen realistischer als so eine Blindbewerbung. Denn, um den Kreis zu schließen, bei allen anderen, bei denen ich mich in letzter Zeit einfach unangekündigt und ungefragt persönlich vorgestellt habe, gibt es zwar im Moment keine freien Stellen, aber der Kontakt ist schon mal hergestellt, sie haben ein Gesicht vor Augen, Nettigkeiten und Kontaktdaten wurden ausgetauscht und wer weiß, was noch passieren wird…

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