Rampenfieber 147- Filmstar wider Willen
Jan 31st, 2012 | By Kate | Category: Allgemein, In Serie![]()
Gestern komme ich völlig abgehetzt und zehn Minuten zu spät in den Tanzraum und die Inge lächelt mir zu und versucht mir via Zeichensprache etwas mitzuteilen. Ich interepretiere: “Is gut, KD, du musst nicht mehr für die letzten paar Takte ins Warm- Up einsteigen.” Da ich aber im Interpretieren nicht sonderlich bewandert bin, will ich kein Risiko eingehen und nehme meinen üblichen Platz in der letzten Reihe ein. Als ich während einer Drehung ohne Spot plötzlich einer Kamera gewahr werde, haut es mich völlig aus der Balance- noch mehr als sonst- und ich frage mich, ob es nicht besser gewesen wäre, noch weiter zehn Minuten zu spät zu kommen.
Als das Lied vorüber ist frage ich kleinlaut, ob die Kamera läuft und Inge erklärt: “Nein.”
Ich atme auf.
“Noch nicht.”
Ich atme scharf ein. ”
“Ich filme euch nachher bei der Choreo!”
Ich atme gar nicht mehr…
Eine Viertelstunde später zeigt Inge uns das Ende des Adagios, von dem ich nicht mal den Anfang kenne und verkündet dann: “So, jetzt noch einmal und dann wird gefilmt!”
TÜT! TÜT! TÜT! Schrillt die Alarmglocke in meinem Kopf. Hilfesuchend suche ich den Blick meiner Mitschüler, derer, die wie ich durch diese Choreo stolpern und die doch auch unmöglich wollen können, dass diese Schmach für die Ewigkeit festgehalten wird. Keiner fängt meinen Blick auf. Keiner sagt ein Wort. Ist ihnen denn alles egal? Sind sie bereit, sich der Lächerlichkeit preiszugeben? Oder bin ich am Ende doch die Einzige, die es versäumt hat, all die Sprünge und Drehungen nachzulernen? Immerhin springt mir nun fast das Herz aus der Brust und ich drehe völlig am Rad. Aber ob mich das vor der Blamage rettet?
Ich sehe Manny Motzig und Inge schon am Abend bei Wurstbrot und Gürckchen auf dem rosa Sofa sitzen, mit einer netten DVD aus der Kategorie Comedy oder wie mein Schauspiellehrer “die Mütze” es einmal formuliert hat: Opferkomik. Und das Opfer heißt in diesem Fall KD Katastrophe.
Nein, nicht mit mir! Ich hatte bei Manny Motzig weiß Gott wenig zu lachen, da soll er sich auch nicht auf meine Kosten amüsieren.
“Äh… Inge?!”, stammle ich daher mutig, “Ich möchte nicht gefilmt werden!”
Jetzt ist es raus. Mein Herz steht still, mein Atem fließt wieder. Und die Inge sagt einfach: “Okay, ich zwinge niemanden!” “Fein”, erwidere ich und klopfe mir innerlich auf die Schulter. Einen Moment lang frage ich mich, ob ich nicht ein echter Waschlappen bin und ob es nicht viel mutiger gewesen wäre, sich der Peinlichkeit einfach zu stellen, aber dann erinnere ich mich an ein Zitat aus dem König der Löwen, das mir sehr passend erscheint: “Um mutig zu sein, muss man sich nicht immer in Gefahr bringen!”
Bildnachweis: Thomas Max Müller, Pixelio.de