Wer die Wahl hat
Jan 17th, 2010 | By refu | Category: Allgemein, Politik und Zeitgeschehen
Wahlen im Ausland sind ja immer so eine Sache. Wenn es nicht gerade um den amerikanischen Präsidenten geht, hat das ja eher statistischen Wert. Aha, dieses Lager ist mal wieder im Ausland und schau, die Extremisten haben auch mehr Stimmen bekommen als sie sollten. So kommentiert man kurz das Ergebnis und hakt es auch schon für sich ab.
Heute wählt die Ukraine und das ist doch recht interessant. Wenn man zurückschaut auf die letzte Präsidentschaftswahl 2004, dann war da Leonid Kutschma, der nicht wieder antrat und sein designierter Nachfolger, Wiktor Janukowitsch. Der gilt wie Kutschma als russlandfreundlich und mehr oder weniger korrupt. Auf der anderen Seite auch ein Wiktor, nämlich Juschtschenko. Dieser wird unterstützt von Julija Timoschenko. Er gilt als Finanzfachmann und prowestlich.
Die Lager sind also klar definiert und ungefähr ausgeglichen, mit Vorteilen für den modernen Juschtschenko. Doch dann beginnt die heiße Phase des Wahlkampfes. Juschtschenko fällt plötzlich aus und muss wochenlang nach Österreich ins Krankenhaus. Wie sich später erweist, wurde er beim Essen mit einem Geheimdienstler mit Dioxin vergiftet. Das amtliche Wahlergebnis fällt deutlich für Janukowitsch aus – zu deutlich. Der Wahlbetrug ist offensichtlich und die orangene Revolution beginnt. Schließlich wird der umjubelte Juschtschenko zum Präsidenten und Janukowitsch ist geschlagen.
Timoschenko wird Premierministerin, doch das geht nicht lange gut. Zu stark sind die Differenzen zwischen ihr und dem Präsidenten und sie wird bald entlassen und gründet ihre eigene Partei. Zum Nachfolger wird Janukowitsch – auch das alles andere als eine krisenfeste Konstallation. Bei den nächsten Parlamentswahlen dann auch die Quittung – Timoschenko holt zahlreiche Stimmen und zusammen mit Juschtschenkos Partei reicht es wieder zum Regieren. Fortan arbeiten die beiden also wieder zusammen, streiten und bekriegen sich aber hinter den Kulissen aufs Heftigste. Selbst bei Fragen wie der, wer wann und wie mit Blaulichteskorte durch Kiew fahren darf, erhitzen sich die Gemüter. Parallel dazu gibt es immer wieder Krach mit Russland wegen Gasrechnungen und die Finanzkrise erwischt auch die Ukraine heftig.
Irgendwie hält der Burgfrieden dennoch und nun sind also wieder Präsidentschaftswahlen. Die Kandidaten sind Janukowitsch, der irgendwie nicht wegzubekommen scheint, Juschtschenko, für den diesesmal alles über 5% ein Riesenerfolg wäre und Timoschenko, die in der Wählergunst an zweiter Stelle liegt.
Nichts neues also und doch alles ganz anders. Der Buhmann der letzten Wahl, der Wahlfälscher und Russlandfreund Janukowitsch gilt als Favorit und willkommene Alternative zum anstrengenden Demokraten Juschtschenko, welcher für Chaos, sture Alleingänge und ständige Kleinkriege steht. Zwischen den beiden steht Timoschenko und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es zu einer Stichwahl zwischen Janukowitsch und Timoschenko kommen wird.
Auf jeden Fall wird es sicher nicht langweilig im größten Flächenland Europas.