Tod eines Torwarts
Nov 11th, 2009 | By refu | Category: Allgemein, Politik und Zeitgeschehen
Das Robert Enke tot ist, ist keine Neuigkeit mehr. Weder im Fernsehen noch in anderen Medien kann man es seit gestern abend vermeiden, über diese nachricht zu stolpern und was man immer wieder wahrnimmt ist Fassungslosigkeit. Es ist auch rein anhand der Fakten schwer nachvollziehen, warum sich so einer umbringt. Menschlich absolut integer, sportlich nicht weit vom Gipfel des Möglichen entfernt, beliebt bei Freund und Gegner und privat schien er sich auch gefangen zu haben.
Tja. Den Tod seines Kindes verwindet man eben doch nicht so schnell und im Nachhinein erwies sich sein schnelles Comeback seinerzeit eher als Flucht in die Arbeit. Die Depressionen aber bekommt man so nicht aus der Welt und schon die ominöse Darminfesktion vor einigen Wochen ließ ahnen, dass da etwas nicht stimmt. Dazu passt auch, dass sein Berater sich umgehend auf die Suche nach ihm machte, als Enke gestern beim Nachmittagstraining fehlte. So etwas macht man nicht, wenn keine großen Probleme bestehen.
Gleich nach Homosexualität kommen wohl Depressionen an zweiter Stelle der Tabus im Profifußball. Man muss sich nur anschauen, wie gnadenlos Schwächen ausgenutzt werden. Sebastian Deisler hat gerade ein Buch darüber geschrieben. Und dann auch noch die Vorstellung, ein nervenkranker Torhüter. Im Lande Oliver Kahns und Toni Schumachers. Nein, war schon gut, das nicht publik zu machen.
Doch sich auf diese Weise aus dem Leben zu stehlen? Natürlich gestehe ich ihm die Ausnahmesituation zu, in der es sich ohne Zweifel bestand. Doch trotzdem ist da jetzt eine Lokführerin mit einem Trauma fürs Leben, zahlreiche Helfer, die seine Bestandteile aufsammeln müssen und nicht zuletzt seine Frau mit dem erst vor einem halben Jahr adoptierten Kind. Bei allem Mitgefühl, dass Robert Enke zu Recht nun erhält – er hat es hinter sich, diese Personen aber nicht. Und deshalb haben sie es jetzt mehr verdient.
Im Leben habe ich Robert Enke immer sehr respektiert und geschätzt. Im Tod kann ich das nun nicht mehr in dieser Ausprägung.
Aber das sind alles Gedanken eines Außenstehenden.
Danke für diesen Beitrag, der mehr als nur Enke bejammert, aber dafür auch an die Hinterbliebenen und die Lokführerin ect mal denkt. Der Feedreader ist mit Bekundungen voll doch nur im Bildblog habe ich bisher angedeutet die anderen Punkte gefunden.
Habe es schon den ganzen Tag in den Radiostationen vermisst das auch mal an die Beteidigten gedacht wird.
Ja, genau das hat mich auch zunehmend gestört. Und man muss es ja nur einmal andersherum sehen: Was wäre, wenn jemand Suizid begangen hätte und dabei etwa Manuel Neuer vors Auto gesprungen wäre? Es hätte ein paar Boulevard-Ausschlachtungen zum Thema “was war das für einer” gegeben, aber der allgemeine Tenor hätte darauf gelegen, wie Neuer jetzt damit klar kommt, ob er wieder spielen kann und wie tragisch das für ihn ist. Letztlich zählt die Prominenz eben mehr, als auf welcher Seite man sich befindet.