Georgische Logik
Aug 9th, 2008 | By refu | Category: AllgemeinMan fragt sich, ob es am Klima liegt, dass die Anrainer warmer Meere nicht friedlich miteinander leben können. Ob am Balkan, in Spanien, Zypern oder eben im Kaukasus, überall gehen die Leute mehr oder weniger stark aufeinander los und wollen nicht viel miteinander zu tun haben.
Was Saakaschwili aktuell veranstaltet, reiht sich da sehr konsequent ein. Man fragt sich, wie er zu dieser Chuzpe kommt, ausgerechnet am Tag der Olympia-Eröffungsfeier einen Angriff auf Südossetien zu starten, Russland auf den Plan zu rufen und dann um Hilfe zu rufen und das angegriffene Opfer zu mimen. Als wäre ihm nicht genau wie jedem anderen bekannt, dass Russland sich als Schutzmacht Südossetiens sieht und kaum zuschaut, wenn seine Bürger (nahezu alle Südosseten haben russische Pässe) angegriffen werden.
Nachdem die Russische Armee in blutigen Gefechten die ossetische Hauptstadt, die mittlerweile nur noch aus Trümmern besteht, zurück erobert hatte, forderte Condoleeza Rice deren Abzug aus dem Land. Das wäre praktisch, denn dann hätte sich Georgien diese Gebiete gesichert.
Jeder, der sich nur ganz entfernt mit der Materie auskennt, weiß, wie willkommen amerikanische Aufforderungen in Moskau sind, vor allem wenn es um die Ränder Russlands geht, wo ohnehin oft sehr wacklige Machtverhältnisse herrschen. Zumal Saakaschwili, der einige Jahre in den USA verbracht hat, nicht umsonst als jemand gilt, der sich dort anbiedert wo er nur kann. Wer sonst würde eine wichtige Straße ernsthaft “George-W.-Bush-Allee” nennen?
Vermutlich will Saakaschwili mit aller Macht Fakten schaffen und den NATO-Beitritt Georgiens forcieren bei gleichzeitiger Erledigung der Probleme mit den abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien. Zumindest sein Angriff unter dem Vorwand, selbst das Opfer zu sein, ist glücklicherweise nicht ganz so gelaufen, wie er das wohl wollte. Das macht die wahren Opfer, deren Zahl momentan im vierstelligen Bereich liegen müsste, aber auch nicht wieder lebendig.
Verwunderlich ist es jedenfalls nicht, dass man auf der gehackten Seite des georgischen Außenministeriums eine Zeitlang dieses Bild sehen konnte:

Oh, ich denke, wer wen beschützt und wer angegriffen hat, wird man von hier aus nie herausfinden können. Da halten sich die seriöseren Medien mit Bewertungen ja auch vornehm zurück.
Mir scheint aber ergänzenswert, dass dem Vernehmen nach die Verteilung von russischen Pässen an die Südosseten noch nicht so lange her ist.
Naja, die Medien haben sich allesamt nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert in den letzten Tagen. Wenn wir beim Ergänzen sind, sollte man aber auch erwähnen, dass diese von Russland ausgegeben wurden, nachdem die georgischen Behörden die Ausstellung georgischer Pässe verweigert haben. Mal abgesehen davon, dass die Osseten diese ohnehin nicht angenommen hätten.
Ich denke, bei der Medienschelte sollte man differenzierter sein. Die FAZ z. B. hat in den letzten Tagen stets beide möglichen Eskalationsszenarien (Russen hauen Georgien einen auf die Mütze, die sich zu einer Reaktion veranlasst sehen vs. Saakaschwili pokert auf Blitzkriegerfolge) erwähnt.
[...] refus Digitalgemüse liest es sich ähnlich: Jeder, der sich nur ganz entfernt mit der Materie auskennt, weiß, wie willkommen amerikanische [...]
Die Berichterstattung in den westlichen Medien riecht nach purer Propaganda… Ein sehr gefährlicher Konflikt!!!
Propaganda will ich den westlichen Medien nicht unterstellen, eher eine gewisse Ratlosigkeit und den Griff in die Klischeekiste. Wenn man sich die Medien im Baltikum oder in der Ukraine so anschaut, dann sieht das natürlich schon ganz anders aus, aber das ist auch nicht wirklich überraschend.
Ich denke mal die Russen haben Ihren Teil auch dazu beigetragen, jetzt sorgen Sie dafür das Südossetien und Abchasien “unabhängig” werden.
Mein Gott haben die alle nichts anderes zu tun als sich um Land und deren Bewohner zu streiten. Sollen die Menschen doch selber entscheiden was sie wollen.